Bis zum 02.08.2004 war meine kleine Welt in Ordnung, aber ein Routinebesuch beim Tierarzt brachte eine erschütternde Diagnose: Quincy's Nierenwerte waren erschreckend. Sein Keratinwert lag bei der ersten Blutuntersuchung bei 7,38 - normal sind 0,8-2,4. Ich war geschockt, aber natürlich glaubte ich fest daran, dass er wieder gesund wird. Er bekam Infusionen, Nierenpräparate und Vitamine gespritzt und ich sollte versuchen, ihn auf ein spezielles Trockenfutter für Nierenpatienten umzustellen. Am nächsten Tag hatten sich die Werte nicht wie erhofft stabilisiert - ganz im Gegenteil. Es wurde ein Wert von 8,39 gemessen. Doch ich hoffte weiter, er bekam wieder seine Spritzen und Infusionen und war bei allem ganz tapfer. Er frass sehr wenig und trank nur noch aus der Hand oder dem Waschbecken. Im Internet stiess ich auf viele gute Links mit einer Fülle an Informationen. Der Tierarzt hatte bereits am ersten Tag von einem erbliche bedingten Nierendefekt gesprochen und durch meine Recherchen wurde diese traurige Theorie leider immer mehr bestätigt.

 

Doch ich gab die Hoffnung nicht auf - vielleicht schlagen die Medikamente ja doch noch an. Nervlich war ich am Limit, rund um die Uhr war ich bei ihm - ich wollte einfach alles tun, um meinem Schatz zu helfen, klammerte mich an die Momente, wo er "ganz der Alte" auf den Schreibtisch sprang oder es ihn wie immer in den Garten hinauszog und genoss jede Minute mit ihm.

* Quincy am Tag nach der Diagnose *

Am 3. Tag dann der Schock: das Messgerät des Tierarztes zeigte den Keratinwert nicht mehr an, er war also größer als 10. Er stellte die schreckliche Diagnose, dass Quincy wohl nicht mehr viel Zeit bleiben würde und ich mit dem Schlimmsten rechnen müsste... und dass ich ihn, so bald er leiden müsse, erlösen lassen sollte. Nierenkranke, das weiss man auch aus der Humanmedizin, haben keine Schmerzen, die Vergiftung des Körpers beginnt schleichend und führt erst nach einiger Zeit zu unangenehmen Symptomen.

* Quincy am Mittwoch Abend nach der endgültigen Diagnose in seinem geliebten Garten *

 

Am Nachmittag des 3. Tages suchte ich noch eine andere Tierarztpraxis auf - und unabhängig vom ersten Arzt wurde dort von 2 Ärzten ein Erbdefekt diagnostiziert. Der Keratinwert lag bei 11,25... unfassbar hoch. Er bekam weitere Infusionen, Aufbaumittel und homöopathische Präparate. Ich liess auch eine Ultraschalluntersuchung machen - ich wollte Klarheit. Und das, was ich dort als Laie zu sehen bekam, hat jegliche Hoffnung zunichte gemacht: die beiden Nieren waren total verzystet, es war kaum noch gesundes Gewebe zu sehen. Auf die Frage, was das bedeuten würde, schauten beideÄrzte weg... und ich wusste Bescheid. Wie ich heimgekommen bin, weiss ich nicht mehr so genau, aber für mich war eine Welt zusammengebrochen. Quincy sollte in 4 Tagen Geburtstag haben... und nun war nicht mal sicher, ob er diesen Tag überhaupt erleben würde. Trotz allem kämpfte ich weiter, gab ihm so viel von seiner geliebten Multi-Paste, wie er wollte, ermunterte ihn zum Fressen, aber er schleckte meist nur noch Sosse auf. Aber wenigstens etwas...

 

 

 

 

Am nächsten Tag liess ich beim Tierarzt nur noch die Medikamente und Infusionen verabreichen - ich wollte Quincy nicht eine weitere Blutuntersuchung zumuten. Der Tierarzt meinte, ob ich mir das mit dem Einschläfern überlegt hätte. Ich war fix und fertig, denn ich wollte weder, dass Quincy leidet, noch, dass ich ihn einfach aus seinem Leben reisse. Ich wollte einfach ALLES tun, um ihm zu helfen, so lange es auch dauern und wie teuer es auch werden würde. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag traten zum ersten Mal offene Anzeichen der Krankheit auf und Quincy erbrach sich mehrmals. Ich hielt Quincy die halbe Nacht im Arm und prägte mir beinahe jedes Haar und jedes Detail seines schönen Gesichts ein.

 

* Quincy's Lieblingsplatz war nun mein Bett *

Am Freitag Morgen beschloss ich schweren Herzens, Quincy am Nachmittag erlösen zu lassen. Er frass eigentlich so gut wie nichts mehr, schien auch zu schlapp zum Sosse-Schlecken. Auf Arbeit konnte ich mich natürlich auf nichts konzentrieren. Die größte Unterstützung bekam ich in diesen schweren Tagen von Birgit, einer mir bis dahin völlig unbekannten, ganz lieben und in Nierenproblemen mit ihren eigenen Katzen erfahrenen Leidensgenossin aus dem Internet, die ich aufgrund ihrer informativen Homepage angeschrieben hatte und die mir durch ihre vielen eMails sehr geholfen hat.

* Quincy am Freitag Abend wieder im Garten, gegen den Wind geschützt *

Von ihren Erfahrungen konnte ich profitieren, sie machte mir Mut, klärte mich über viele Dinge auf und gab mir wertvolle Tipps, zum Beispiel auch den, dass ich den Tierarzt bitten sollte, zu mir nach Hause zu kommen, damit Quincy in seiner gewohnten Umgebung und ohne zusätzlichen Stress sterben kann. Als ich von der Arbeit nach Hause kam, war ich total verzweifelt - Quincy wolle seine geliebte Multi-Paste nicht mehr essen. Das war für mich insgeheim immer ein Kriterium gewesen, dass er nicht mehr möchte, weil er diese Paste über alles geliebt hat. Ich war fassungslos, probierte es selbst noch mal aus - und siehe da, er schleckte die Paste. Ich war happy und zugleich verzweifelt. Was sollte ich tun? Ich wusste plötzlich, dass ich ihn nur bei mir daheim einschläfern lassen würde. Doch der Tierarzt hatte aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeit, zu mir zu kommen und so "schnappte" ich mir Quincy, fuhr zu ihm und entschied mich für's Weiterzukämpfen. Er bekam wieder Infusionen und Aufbaupräparate und anschliessend bestellte ich noch mal die homöopathischen Mittel in der Apotheke. Wieder daheim, wollte Quincy sofort wieder in seinen Garten und war damit offensichtlich ziemlich zufrieden...

 

 

Die kommende Nacht verlief wieder ruhiger, Quincy schlief direkt neben mir und auch relativ gut. Samstag Morgen fuhr ich mit unserem Liebling zur Vertretungsärztin und sie gab Quincy viele Infusionen, weil ich mir doch so sehr wünschte, dass er seinen Geburtstag erleben kann. Hinterher machte er wieder einen relativ guten Eindruck und von 11-20 Uhr war er im Garten, lief auch ein paar Mal herum und ruhte sich dann wieder einige Zeit aus. Und er unternahm sogar noch einen kleinen Ausflugzu den Nachbarn, stromerte über ihre Terrasse und fand es ziemlich spannend, noch mal ihr Wohnzimmer zu erkunden und immerhin hat er sich dort noch mal für wenige Sekunden am Kratzbaum die Krallen geschärft. Schon diese kleine Episode hat mich darin bestärkt, dass es richtig war, ihn nicht einschläfern zu lassen. Ich glaube, das hat ihm noch mal richtig gefallen.

 

Samstag Abend wurde es kühler und ich brachte ihn nach drinnen - und dann setzte er sich noch mal auf die Couch und schaute sehnsüchtig nach draussen... Außer zu etwas Katzenmilch war er nicht mehr zur Nahrungsaufnahme oder zum Trinken zu bewegen.

* Quincy's sehnsüchtiger Blick in seinen geliebten Garten *

 

5...4...3...2...1...Mitternacht - und Quincy's erster Geburtstag. Ich war glücklich, dass er es geschafft hat - und so unendlich traurig, dass es sein einziger Geburtstag bleiben würde. Er hat die Kerze bestaunt und angeschnuppert, die ich für ihn angezündet hatte und er bekam ein kleines Geschenk, was er immerhin auch noch zur Kenntnis nahm, obgleich er nicht mehr damit spielen konnte. Die Geburtstagskarte meiner Eltern mit seinem Foto faszinierte ihn allerdings sehr und er hat die ganze Nacht drauf gelegen und wieder relativ gut geschlafen. Am Vomittag bin ich dann mit ihm nochmals zur Tierärztin, um die Infusionen abzuholen - ich hoffte darauf, dass es ihm hinterher wieder so gut gehen würde wie am Samstag. Aber da er nichts mehr gefressen hatte, vereinbarte ich mit der Tierärztin schweren Herzens, dass sie am Montag Nachmittag zu uns nach Hause kommen sollte, um Quincy ein langes Leiden zu ersparen. Danach verbrachte ich mit ihm wieder ein paar Stunden in unserem Garten, aber er war sehr schlapp und legte sich schnell auf die kühlen Terrassenplatten. Ich blieb die ganze Zeit bei ihm und streichelte sein Pfötchen.

 

Mit Bekannten hatte ich verabredet, dass ich am Nachmittag mit Quincy zu ihnen in den Garten komme, der dann wunderbar im Schatten liegt, sie haben auch einen kleinen Teich... es sollte für Quincy noch mal was Besonderes sein, ein kleiner Ausflug. Auf der kurzen Autofahrt, ich hatte ihm ein bequemes "Bettchen" in einem Wäschekorb gebaut, beobachtete er ganz aufmerksam, was draussen vor sich ging. Als ich ein paar Minuten bei den Bekannten war, kletterte mein Schatz plötzlich aus dem Körbchen und schaute sich den Teich an. Ich war total erstaunt. Dann legte sich Quincy neben den Teich. Ich streichelte ihn und wollte ihn grad ein wenig zudecken, da ging alles ganz schnell und Quincy starb in meinen Händen um 15.34 Uhr, beinahe auf die Minute genau 9 Monate, nachdem ich ihn in Berchtesgaden abgeholt hatte...

 

 

Neben dem Schock, dass das Leben meines Sonnescheins zu Ende ist und der großen Trauer darüber bin ich trotz allem dankbar, dass mein kleiner Liebling mir selbst im Sterben noch Gutes getan hat und es mir erspart blieb, dass ich die Entscheidung über sein Leben oder seinen Tod treffen musste. Er war so ein tapferer, kleiner Kämpfer - etwas ganz Besonderes eben und ich war glücklich, dass ich ihn bei mir haben durfte, wenn ich mir und ihm auch viele, viele Jahre mehr gewünscht hätte...

* Quincy's letztes Foto *

 

Seine letzte Ruhe wird Quincy im Garten an seinem Lieblingsplatz finden. Ich habe ihn im Tierkrematorium München einäschern lassen und war dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt.

Quincy's Stammbaum und Links zu Nierenkrankheiten

Quincy's Starfotos

 

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